WESYM 2024

Das zweite Weissenstein Symposium fand am 4. Juni 2024 statt.

Die Crux mit der Abklärung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit

Die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit bewegt sich in einem Spannungsfeld von Abklärung und Fiktion. Im Rahmen des Abklärungsprozesses sind viele Akteure involviert. Es gibt zahlreiche Schnittstellen und Systemübergänge, es existiert aber verhältnismässig wenig Standardisierung, Koordination und Kooperation.

Nicht selten kommt es beispielsweise zu stark divergierenden Beurteilungen der Arbeitsunfähigkeit, ohne konkreten Bezug zu den existierenden beruflichen Anforderungen und realen Arbeitstätigkeiten. Es ist daher nicht überraschend, dass in der Rechtspraxis nach sehr langen Wartezeiten oft und zermürbend über Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit gestritten wird.

Wir meinen klar: Zu viel!

 

Was sind die übergeordneten und systembedingten Gründe?

Welche Lösungsansätze versprechen Besserung?

Welche Herausforderungen gilt es zu meistern?

Erfolgreicher Anlass auf dem Weissenstein

Als Beitrag zur Klärung dieser Fragen gab die Coop Rechtsschutz AG zwei wissenschaftliche Studien in Auftrag. Diese wurden am Weissenstein Symposium vom 4. Juni 2024 präsentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Leiter des Weissenstein Symposiums, Guido Bürle Andreoli, begrüsste über 80 Gäste im Panoramasaal des Hotel Weissenstein. Unter den Teilnehmenden befanden sich namhafte Persönlichkeiten aus der Rechtswissenschaft, den Gerichten, der Anwaltschaft, den Versicherungen und dem Case Management.

In seiner Begrüssung stellte Guido Bürle Andreoli fest, dass es bei der Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit für die Betroffenen oft zu unzumutbar langen Wartezeiten und zermürbenden Rechtsstreitigkeiten komme. Anhand eines Beispiels zeigte er auf, dass die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit oft ohne Bezug zu existierenden beruflichen Anforderungen und realen Arbeitstätigkeiten erfolgten. 

Referenten

Dr. iur. Martina Filippo

Dr. iur. Martina Filippo

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
ZHAW, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Dr. phil. Urban Schwegler

Dr. phil. Urban Schwegler

Group Leader
Swiss Paraplegic Research

Stefan Staubli

Stefan Staubli

Leiter Soziale & Berufliche Integration
Schweizer Paraplegikerzentrum

Wissenschaftliche Gutachten zur Klärung

Prof. FH Dr. iur. Philipp Egli und Dr. iur. Martina Filippo machen in ihrer rechtswissenschaftlichen Studie eine kritische Auslegeordnung, beleuchten die rechtliche Perspektive und zeigen den Spielraum für Lösungsansätze auf. In ihrer ernüchternden Analyse kommen sie zum Schluss, dass in den letzten Jahren eine schwer nachvollziehbare, schleichende Entwicklung hin zu mehr Fiktion versus Abklärung der Arbeits-und Erwerbsunfähigkeit stattfand. 

Job Matching Tool: Ganzheitlicher Ansatz zur realitätsnahen Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und nachhaltigen beruflichen Integration

Dr. phil. Urban Schwegler untersucht in seinem Gutachten die vorliegende Thematik als Forscher und Experte im Bereich der beruflichen Integration für das bestehende Abklärungsverfahren und weist auf eingliederungserschwerende Mängel hin. Er zeigt auf, wie beispielsweise bei der Invalidenversicherung ein eingliederungsorientiertes Abklärungsverfahren angewendet werden kann. Im Zentrum steht das unter seiner Leitung entwickelte und wissenschaftlich validierte Job Matching Tool. Dieses verfolgt einen ganzheitlichen, zielorientierten Ansatz, wobei sich «zielorientiert» auf Arbeitspartizipation als zentraler Outcome im Schadenfallprozess bezieht. 

Im Anschluss an die Referate nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum regen Austausch. Die aktive Teilnahme, die kritischen Fragen und die lebhaften Diskussionen haben uns sehr gefreut.

Die wissenschaftlichen Gutachten stehen hier für Sie zum Download bereit.

Ausblick: Der Stein rollt weiter im 2025

Im Jahr 2025 beabsichtigen wir, die erarbeiteten Ergebnisse in einer zweiten Veranstaltung zu präsentieren und zu diskutieren. An dieser Folgeveranstaltung sollen auch die verschiedenen thematischen Blickwinkel, zum Beispiel der Behandlungs- und Versicherungsmedizin, der involvierten Sozialversicherungen und Gerichte, aufgezeigt und weitere Schritte besprochen werden.

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